Lara Croft und der rote Drache

 

 

 

Autor: Flopse



Kapitel 1



Lara brauchte lange, um sich von diesem Schock zu erholen. Tatsächlich hatte sie seit der Sache mit dem Cujana-Stein mit den Abenteuern in ihrem Kopf abgeschlossen. Es war einfach nicht mehr so wie früher: Erst die Sache mit dem Mord von Werner van Croy- diese Sache hatte Lara psychisch schwer mitgenommen, jetzt kamen aber auch noch ihre Eltern ins Spiel- das war zu viel, selbst für eine hartgesottene Lara.

Dieses mal war auch kein Kurtis da, der sie überreden konnte, er brauchte nämlich selbst sehr lange, um diese Geschichte zu verarbeiten. Trotz alledem war es nicht Laras Art, so vor sich hinzuleben, wenn man das laut ihr überhaupt Leben nennen konnte. Sie musste etwas tun. Für ihre Freunde hatte sie immer eine Ausrede parat, wieso sie nicht kommen konnten. Für ihre Freundin Natalie war das aber zu viel- so lange hatte sie Lara noch nie nicht mehr besucht. Kurzerhand beschloss sie, ohne Anmeldung bei ihr vorbeizuschauen.

"Hallo Lara! Ich weiß das du da bist und ich bin wirklich sauer!", giftete sie durch das große Eingangstor. Nachdem sie eine Viertelstunde draußen herumgeschrieen hatte, wurde es Bryce zu bunt. Er ließ sie rein.

"Wieso hat sie sich nicht mehr gemeldet?", begrüßte Natalie Bryce. "Weil es ihr nicht gut geht“, erwiderte er. "Das sollte ja gerade ein Grund sein, sich bei mir zu melden!" "Haha, das ich nicht lache", sagte Bryce leise, aber es ging unter den Empfangswörtern Laras unter.

Natalie war eine hochnäsige, ungefähr 23Jahre alte gehbürtige Spanierin. Mit jungen Jahren kam sie aber nach England und dann ging sie mit Lara auf die Schule. Natalie lebte immer mit dem Gedanken, bei den anderen total beliebt zu sein und ihr größtes Hobby war es immer, ihre Freundinnen zu stylen und dabei stundenlang zu tratschen.

"Was ist denn mit dir los?", fragte Natalie, während sie das Schminkzeug auspackte. "Ich brauchte meine Ruhe, das ist alles", antwortete Lara genervt. "Es ist aber nicht gut, so etwas ewig vor sich hinzuschweigen! Du hättest mich anrufen sollen!" "Ja... schon...", Lara wollte nicht widersprechen. Wenn man mit Natalie einen Streit anfängt, stand der Sieger vorher schon fest.

Und so laberte Natalie Lara zwei Stunden lang zu. "Wenn etwas ist, ruf mich an", verabschiedete sich die Tratschtante.

"Es ist immer das selbe, wieso hast du sie nicht schreien lassen?", herrschte Lara Bryce an. "Mensch, ich war am arbeiten, die hat mich total genervt!" "Dann hättest du halt den Kopfhörer aufgesetzt!"

Sie hätte vielleicht Lust gehabt, an diesem Tag früher zu Bett zu gehen, aber neuerdings hatte sie jede Nacht einen beunruhigenden Traum...



Kapitel 2



Lara ging durch ein Dorf... es war Nacht, im Hintergrund donnerte es leise. Sie wollte niemanden wecken. Nirgendwo brannte mehr ein Licht. Ein Blitz erleuchtete für zwei Sekunden das Schaubild, die Häuser wirkten uralt, ihr Baustil kam aus dem Mittelalter. Es war aber nicht normal, das die Häuser so total zerfallen waren, nur noch die Grundmauern erinnerten an den Grundriss. Lara hatte den Verdacht, das die Besitzer nicht mehr lebten...

Anschließend erreichte die abenteuerlustige Engländerin einen Wald. Eine Eule schrie und flog davon. Lara war nicht wohl zumute, aber irgendetwas zog sie in den Wald. Es schien als lief sie schon eine halbe Stunde, aber sie sah keine Lichtung, keine Veränderung- um sie herum sah sie immer nur diese dichten Bäume und vor sich den Waldweg, der nicht enden wollte. Schon wieder hörte sie eine Eule aufschreien, sie lief schneller, obwohl sich ihre Knie weigerten. Auf einmal tat der Waldweg eine scharfe Kurve nach links, sie wusste nicht mehr das das jede Nacht geschah... dann kam eine Gabelung... sie nahm die Rechte und dann wurde sie von vielen Tieren angefallen und getötet... Zum ersten mal zog es sie aber nach links.

Lara brach vor Schmerzen in den Beinen fast zusammen, der Weg musste enden! Plötzlich platzte ein Fuchs von der Seite hervor, aus seinem Maul trat Schaum hervor, er hatte Tollwut! Wie immer fasste sie mit beiden Händen zu den Pistolen, aber da waren keine... Lara hatte keine andere Wahl, sie musste rennen! Keuchend rannte sie den Weg entlang, ständig setzte der Fuchs zu einem neuen Sprung an, um ein Haar konnte sie noch ausweichen, oft würde sie das nicht mehr schaffen, ihre Füße konnten die Last nicht mehr tragen, obwohl es riskant wäre, was sollte sie sonst tun? Sie musste kämpfen.

Blitzschnell drehte sie sich um und kickte mit aller Kraft gegen den Fuchs, ein greller Schmerz durchfuhr ihren Fuß, der Schlag pochte in den Adern. Den Fuchs schlug es mit einer gewaltigen Kraft nach links, er würde es aber überleben. Lara hechtete in seine Richtung, jeder Schritt stach wie ein Elektroschock in ihrem Fuß, mit aller Kraft warf sie sich mit den Füßen auf das tollwütige Tier, wenn es sie biss, wäre das ihr Ende. Lara traf gut, ihre Füße zerschlugen die Rippen des sterbenden Tieres- es hatte ihm dem Rest gegeben.

Die Archäologin wollte es nicht noch mal mit einem tollwütigem Waldbewohner zu tun bekommen, sie spurtete weiter, ihr Körper rang nach Luft. Auf einen Schlag tat sich der Wald auf, sie kam auf ein Schloss zu, es war so unheimlich riesig, unvorstellbar hohe Türme thronten in den Himmel. Es hatte eine gigantische Breite, es war wie eine Kreuzung aus einem europäischen und orientalischen Palast. Anscheinend war der einzige Eingang das große Metalltor vor ihr. Lara fragte sich, wie sie hineingelangen konnte. Sie näherte sich dem Tor und...

es öffnete sich von selbst!



Kapitel 3



In dieses Schloss zog es Lara nicht hinein, im Gegenteil, sie spürte einen Drang danach sich umzudrehen und wegzurennen. War es eine Einbildung oder hatte die Heldin einen leichten Luftstoß gespürt, der gegen sie gerichtet war? Sie hatte ein mulmigeres Gefühl als im Totendorf, ja sogar als im Wald. Lara wusste noch nicht, wieso...

Leise durchstreifte sie den Hof, ohne ihre Abenteuerlustigkeit wäre sie gegangen. Es war bitterkalt und das Gewitter schien über dem Schloss zu hängen. Sie kam der großen, beigen mit prachtvollen bunten Verzierungen bestückten Eingangstür zu. Sollte sie klopfen? Etwas in ihrem Kopf sagte Lara, das hier keine Höflichkeit gefragt war, also riss sie mit großer Mühe das Tor auf.

Sie befand sich in einer riesigen Aula, es war dunkel und das einzige Licht kam aus einem kleinerem Kronleuchter in der Mitte der Halle. Aus den riesigen Fenstern an den Seiten der Halle waren Teile ausgeschlagen und es war genauso kalt wie draußen.

Gegenüber von Lara war wieder eine Tür, genauso groß wie der Eingang. Diese öffnete sich von selbst, als Lara ihr nahe kam und sie trat ein.

Nun befand sie sich an der einen Seite einer noch größeren Halle als der Vorigen und sie war viel wärmer als die Eingangshalle. An jeder Ecke hingen große Spiegel und 4große Kronleuchter spendeten genug Licht. Jetzt erst fragte sich Lara, wieso die Kronleuchter eigentlich brannten- von außen hatte sie das Licht nicht gesehen. Anderseits- war das Schloss doch nicht so ausgestorben wie sie dachte? Die Archäologin blickte sich genauer um "Oh mein Gott", staunte sie, beim genaueren Hinsehen entdeckte sie, das ein großer Teil von der ganzen Halle aus purem Gold bestand. Das Schloss musste unbezahlbar gewesen sein. Lara blickte in den Spiegel- sie sah recht zerdellt aus und ein wichtiger Teil Laras fehlte- ihre Pistolen.

Plötzlich erschauderte sie, war es ein Trugbild? Es konnte nicht anders sein, weil hinter ihr sah Lara einen gigantischen, schwarzen Drachen. Mit diesem Spiegel stimmte etwas nicht, mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht drehte sie sich um und-

vor ihr stand ein gigantischer schwarzer Drache! Aus seinem Mund drang Rauch. Lara schluckte und rannte um ihn herum ans andere Ende der Halle. Zwei große Feuerkugeln trafen sie fast, eine davon versenkte Laras Haare. Wieso hatte sie nur keine Pistolen? Gegen den Fuchs konnte sie noch ohne kämpfen, aber gegen einen Drachen...

Lara stand mit dem Rücken zu einer braunen Holztüre, sie stieß sie auf und fand sich in einem Abstellraum wieder. Sie musste hier verbleiben, bis der Drache weg war. Das war aber auch nicht möglich, weil der Drache mit einem großen Feuerstoß die Tür verschwinden ließ. Was sollte sie tun? Der Drache würde sie töten wenn sie hier bliebe, wenn sie aber herausrennen würde, hätte sie auch kaum Überlebenschancen. Gleich darauf schlug eine riesige Pranke nach Lara, zwei stark blutende Risse waren die Folge. So schnell wie es möglich war, spurtete sie heraus, kurz hinter ihr schlug eine Pranke auf Gestein, das Untier brüllte vor Wut. Mit seinem ganzen Gewicht stürzte es sich auf Lara, ihr Fuß wurde eingequetscht- er war gebrochen. Unter Qualen stand sie auf, sie drohte umzukippen, gerade noch konnte sie sich fangen, dann humpelte sie weiter, der Drache holte zu einem neuen Hieb aus, die Krallen durchstießen Laras Rücken-

"Aaah!" "Lara, Lara!", schrie Bryce verzweifelt, "Lara!" "uh, wo bin- Bryce" "Wieso hast du geschrieen wie eine Verrückte? Ich versuchte dich schon eine halbe Stunde lang zu wecken!"



Kapitel 4



Alles war nur ein Traum gewesen... Lara kam es so wirklich vor. Die Schmerzen beim Kampf mit dem Fuchs und vor allem mit dem Drachen, sie spürte ihn immer noch, als er ihr den Rücken durchstochen hat. Prüfend schaute sie auf ihren Körper- nicht ein Kratzer! Es war unbegreiflich, nein, es konnte kein Traum gewesen sein. Sie beschloss mit Bryce einen Spaziergang zu machen.

"Es hat sich so wirklich angefühlt", sagte sie, als Bryce das Eingangstor schloss "Ja schon, aber du hast ja keinen Kratzer davongetragen, und du warst ja auch die ganze Nacht im Bett", kam es ihr entgegen.

Das stimmte, aber niemand spürte wirkliche Schmerzen im Schlaf.

Plötzlich erinnerte sie sich wieder- die ganzen Träume die sie schon monatelang quälten schossen wieder in ihr Gedächtnis.

"Bryce, ich hab schon monatelang diese Träume gehabt!" "Das weißt du aber schon lange, jede Nacht bist du spät ins Bett, in der Hoffnung, diese Alpträume nicht wieder zu haben" "Ja klar! Aber ich hab am darauffolgendem Tag nicht mehr gewusst um was es sich drehte, und jetzt-" Was sollte sie tun? Sie wollte unbedingt das Schloss weiter durchforschen und beim nächsten Mal würde sie sich mit dem Drachen bestimmt geschickter anstellen.

Beim Mittagessen platzte es aus Bryce heraus: "Mensch, bist du verrückt geworden, Lara? Es ist nicht gut Träumen so nachzuhängen!" "Das weiß ich, aber sie verfolgen mich sowieso, da kann ich machen was ich will!", verteidigte sie sich. "Aber du unterstützt das auch noch!" "Tu ich nicht..." Es hörte sich keineswegs überzeugend an. "Du weißt das du gelogen hast. Gerne kannst so weiter machen, ich renne ja später nicht als Nervenbündel rum- dafür trägst du die Verantwortung"

Diese Nacht waren die Träume viel schlimmer als die Vorigen. Lara wäre froh gewesen, wenn sie noch mal mit einem Fuchs kämpfen und mit schmerzenden Beinen durch einen endlosen Wald laufen müsste- im Gegensatz zu denen, die sie diese Nacht hatte, waren diese Dinge lachhaft.

Lara fand sich in einem Verlies wieder. Seltsamerweise stand die eiserne Tür offen. Lara zog an den Ketten, ohne Mühe brachen sie ab. Langsam schlich sie sich an die Tür- sie bemerkte eine Wache mit Schwert, die ihr den Rücken zukehrte. Mit geschickten Schlägen machte sie sie kampfunfähig und nahm ihr Schwert an sich. Sie befand sich in einem Gang mit altem Gestein. Hinter sich hörte sie ein Klappern- eine Wache rannte auf sie zu.

Natürlich kämpfte sie nicht oft mit dem Schwert, in manchen Abenteuern hatte sie aber Erfahrung gewonnen, so konnte sie ohne Mühe die Wache ausschalten. Sie ging weiter, kleine Steine bröckelten von der Wand ab. Ihr Herz pochte vor Anspannung, sie musste jeden Moment damit rechnen, das eine neue Wache auf sie zustürmte.

Der Gang war sehr lang und manchmal hörte Lara komische Geräusche. Sie erschrak sehr, als eine Fledermaus an ihr vorbei flog. Kurz hatte sie nicht aufgepasst und merkte nicht, das drei Wachen auf sie zurannten. Gerade noch konnte sie sich ducken, als einer der Dreien mit einem Schwert auf sie einhieb- das Eisen krachte- Lara machte einen Salto und erwischte Einen schwer an der Schulter- Funken stoben als sie mit den Schwertern aufeinander einhieben- Lara wurde schwer geschnitten- die Männer waren tot.

Alles passierte in wenigen Sekunden. Jetzt breitete sich der Schmerz wie Gift auf den ganzen Körper aus. Lara presste die Hand auf die große Wunde, um die Blutung zu stoppen, sie wankte, ging aber weiter.

Auf einmal kam sie an einer schäbigen Holztür an. An ihr war ein Schloss angebracht, ein Hieb mit der Waffe genügte, um es aufzubrechen. Lara fand sich in einer Waffenkammer wieder. Die drei Männer von vorher hatten sie bestimmt bewacht.



Kapitel 5



Erst einmal verband sie ihre Wunde mit dem saubersten Stück Stoff das sie fand, dann blickte sie sich genauer um. Alle möglichen Waffen des Mittelalters waren hier. Allerdings mochte es Lara nicht übertreiben, wenn sie zu viel zu schleppen hatte, könnte das genauso das Aus sein, als wenn sie zu wenige Verteidigungsmöglichkeiten hätte.

Sie entschied sich für einen ordentlich gefüllten Köcher Pfeile und den dazugehörigen Bogen. Bogenschießen war eine Spezialität Laras. Sie wollte sich jedoch nicht von ihrem Schwert verabschieden und dann trat sie wieder hinaus in den Gang.

Schnell verkroch sie sich in eine kleine Steinnische, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet hatte, um nicht von der anschleichenden Wache gesehen zu werden. Schnell spannte sie ihren Bogen, zielte, und traf. Der Bogen macht einen guten Dienst, dachte Lara. Glücklicherweise hatte sie vor kurzem aus Langeweile Trainingsstunden gemacht, sie zahlten sich jetzt aus.

Sie rannte den Gang in die andere Richtung zurück. Er endete an einer Treppe, die sei emporstieg. Oben angelangt, fand sie sich in einem kleinen Gang wieder, in dem sich drei Türen befanden. Sie wollte nicht gedankenlos durch Eine laufen, es könnte eine Falle sein. Lara hatte keine Zeit zum überleben, eine der Türen brach auf und drei Männer stürmten heraus. Sie konnte keinen Bogen mehr spannen, die Wachen waren zu nah. Sie zog das Schwert und traf den ersten. Die beiden hieben auf sie ein, sie musste sich ducken, ihre Schwerte schellten auf dem Boden. Blitzschnell erhob sie sich und tötete den Nächsten. Der Letzte war nicht so leicht zu besiegen, aber letztendlich kam sie ohne Verletzungen davon. Sie spähte durch die Tür, durch die die Männer gekommen waren. Danach bereute es Lara, eine Wache stand nämlich dahinter. So schnell sie konnte, beseitigte sie Diese. Die Abenteuerin befand sich in einem weiteren Gang. Sie spürte, das es gefährlich sein würde, Diesen entlang zu laufen.

Es waren ja noch zwei andere Türen da, wenn diese Lara nicht weiter bringen würden, müsste sie wohl zurück in den Gang... Lara entschied sich für die größte Tür. Sie war das nobelste, das sie seit dem sie im Verlies aufgewacht war, gesehen hatte. Tatsächlich hatte sie bis jetzt nichts gesehen, was an den großen Palast erinnerte, von dem sie im letzten Traum gesehen hatte. Das wusste aber Lara nicht, sie wusste nicht, das alles nur ein Traum war...

Langsam öffnete sie die noble Tür. Vor ihr sah sie eine große Halle, die an eine Kapelle erinnerte. Nirgends wurde mit Gold gespart. Der Altar war prächtig, etwas an ihm lies aber Lara stutzen: Es war kein Kreuz angebracht! Sie sah ein anderes Zeichen, in ihm war „Euris“ zu lesen, sie wusste nicht was diese „Euris“ war. Sie stutzte, blickte sich noch eine Weile um und öffnete das prächtige Tor, das entgegengesetzt zu dem Altar lag und ihre Eingeweide gefroren auf einen Schlag.



Kapitel 6



Es traf Lara wie ein schwerer Schlag mit einem Brett gegen ihr Gesicht. Schon wieder stand sie vor diesem schrecklichen schwarzen Drachen.

Der ganze Körper war gänzlich nachtschwarz, außer seine gelben Augen, die gefährlich blitzten. Lange Narben durchzogen seinen Körper, er hatte bestimmt schon schlimmere Gegner wie Lara.

Ohne zu zögern rannte sie los und schoss im Laufen Pfeile ab, die Augen zu treffen würde aber fast unmöglich sein, der Drache bewegte sich ständig. Er spannte seine gigantischen Flügel und flog auf sie zu, kurz hinter ihr hörte Lara ihn auf den Boden krachen. Anscheinend hat ihm der Sturz nichts ausgemacht, ihr war schon früh aufgefallen, dass der Drache sich sehr geschickt in den Hallen fortbewegen konnte.

Gerade konnte sie noch nach links ausweichen, sonst wäre das ihr Ende gewesen. Gleich danach sprang er wieder auf sie zu und schnitt sie scharf am Bein.

Das Blut quoll aus ihrem Bein, sie musste ständig zur Seite ausweichen, um nicht getroffen zu werden.

Der Schmerz wurde immer schlimmer, sie konnte nicht auf ihr Bein schauen, sie konzentrierte sich auf das Laufen. Das Tor, das sie im Visier hatte, kam einfach nicht näher.

Plötzlich ertönte die Stimme eines Mannes, sofort blieb der Drache stehen. Lara wollte noch etwas Abstand gewinnen, dann hielt sie auch inne.

„Willkommen in meinem bescheidenen Anwesen, Mrs Croft, sehr nett, das sie mir einen kleinen Besuch abstatten.“ Woher kannte der Mann Laras Namen? Die Stimme kam ihr nämlich gar nicht bekannt vor. Etwas an dieser Stimme lies der Engländerin die Nackenhaare zu Berge. Sie war kalt und ausdruckslos, ohne Gefühl.

„Wer sind sie?“, fragte Lara mit starken Schmerzen in dem blutendem Bein. „Ich bin Lord Arkanon. Gefällt ihnen Urkanon? Er ist ziemlich treu. Ganz anders als Titon.“ Lara vermutete, das Urkanon der schwarze Drache war. „Wer ist Titon?“, sagte sie. „Ein anderer Drache. Ich habe Urkanon noch nicht befohlen, gegen ihn anzutreten, es wäre zu riskant. Tatsächlich habe ich noch nie so einen starken Drachen gesehen und das will etwas heißen. Bedauerlich, das er nicht gehorcht.“

Lara verstand nicht, was hier ablief. Der Mann redete von Drachen, als kämen sie so oft vor wie Ameisen. Sie wusste nicht woher die Stimme kam, sie blickte herum, nirgends war ein Mann zu sehen.

Auf einen Schlag ging das Tor vor Lara auf. „Sie haben ziemlich gut gekämpft. Es ist mir nicht erklärlich, das ein Demagi so lange Urkanon überlebt hat. Ich möchte ihn nicht weiter mit ihnen herumärgern, ich muss mich um die Sache selber kümmern.“, ein farbiger Lichtstrahl kam blitzschnell auf Lara zu, sie brach zusammen.



Kapitel 7



Lara dachte, sie war eingeschlafen, aber sie wurde nur kurz bewusstlos. Als sie aufwachte durchfuhr ein schmerz Lara. Es war nicht nur der Fuß, es war der ganze Körper. Schnell wurde es schlimmer, es war ein Scherz, wie ihn Lara nie erlebt hatte. Es war, als stünde ihr Körper in Flammen. Der Schmerz wollte nicht aufhören. Irgendwo in der Ferne hörte sie ein Geräusch, war es eine Stimme? Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, der Schmerz nahm ihr alle Sinne.

Sie schien fast am Ende, als der Scherz schlagartig aufhörte. So schnell wie es angefangen hatte, hörte es wieder auf. Lara spürte wieder den Schmerz vom Bein. „Hat es ihnen gefallen?“, sagte Arkanon.

Blitzschnell spannte sie den Bogen und schoss einen Pfeil ab. Bevor er Lord Arkanon schaden konnte, verschwand er und tauchte gleich daneben wieder auf. Sie schoss weiter, ein Pfeil nach dem anderen gingen in seine Richtung. Es war umsonst, jedem Pfeil konnte er ausweichen, indem er verschwand.

„So etwas dummes hätte ich nicht von ihnen gedacht, nachdem sie Urkanon so lange entkommen konnten. Solche Taten sind allerdings typisch für einen Demagi.“, höhnte er. „Wieso nennen sie mich Demagi?“, fragte Lara, mit der Hand presste sie auf den vor Schmerz pochenden Fuß. „Weil sie nicht zaubern können. Ich dagegen bin ein Magier.“, antwortete Arkanon.

Sie musste von hier weg. Die Heldin musste sich eingestehen das es keinen Möglichkeit gab, gegen einen mächtigen Magier und gegen einen gigantischen Drachen zu siegen. Sie musste rennen.

Lord Arkanon konnte nicht schnell genug reagieren, als Lara einfach an ihm vorbei rannte. Das hatte er einfach nicht erwartet. Demagi waren Feiglinge, schnell hat man sie beseitigt. Diese Frau war aber anders- war sie überhaupt ein Demagi? Er spürte aber keine magische Aura um diese Frau herum.

Lara befand sich in einer kleinen Halle. Links gab es ein riesiges Tor. Von innen kamen brüllende Geräusche. Sie stieß es auf und fand sich vor einem Drachen wieder. Sie begriff sofort: Das war der rote Drache Titon! Sie spürte, das er ihr nichts tun würde und sie rannte auf ihn zu.

Titon war viel schöner als Urkanon. Er hatte lange Narben, aber seine Augen blitzten nicht gefährlich.

Lara hatte Recht: Er tat ihr nichts. Es schien, als wusste er, was passiert war. Gleich darauf platzte Lord Arkanon herein. Seltsamerweise schoss er keinen Fluch auf sie ab.

„Aaah!“, schrie er wutentbrannt, „Ich habe mir geschworen, nie einen Drachen anzugreifen! Wie gerne würde ich sie und Titon beseitigen.“ Lara war überrascht. Lord Arkanon musste eine enge Verbindung zu Drachen haben.

Sie blickte auf die dicken Metallketten, die an den Füßen des Drachen verbunden waren. Es war unmöglich, sie zu lösen. Sie rief Titon zu: „Spucke Feuer auf Arkanon!“ Er rührte sich nicht. Der Lord schien nicht überrascht. „Er wird mich nicht angreifen. Wenn er das tun würde, könnte ich meinen Schwur brechen. Ich dürfte ihn angreifen, zur Verteidigung“ Er hatte ein Lächeln im Gesicht. Was konnte sie nur tun? Sie würde verrotten, wenn sie hier bliebe, wenn sie zu fliehen versuchte, würde Arkanon oder der schwarze Drache sie töten. Die Sache schien ausweglos.



Kapitel 8



Plötzlich hörte die Archäologin Urkanon wütend aufschreien. Sie hörte einen Fluch rauschen, der Drache schrie vor Schmerz. Was war da los? Arkanon schien auch verdutzt und rannte hinaus.

Lara nutzte die Zeit, um die Fesseln von Titon zu untersuchen. Sie sah ein kleines Schloss darauf. Sie nahm das Schwert und stach mit aller Kraft darauf. Sie spürte, wie es etwas nachgab. Sie hörte eine Männerstimme, die aufschrie „Du!“ Es war die von Akanon. Sie musste schnell die Metallfesseln aufbekommen. Wie verrückt schlug sie auf das Schloss ein. Es hatte sich schon eine sichtbare Delle gebildet. Sie hörte eine andere Männerstimme. Lara erkannte sie sofort: Es war die von Kurtis. Wie vom Donner gerührt saß sie da. Es konnte nicht sein, dass da draußen Kurtis war. Sie bekam einen großen Drang danach, zur Tür zu gehen und nachzuschauen. Sie musste aber Titon freibekommen.

Nach zwei Minuten gaben sie nach, Titon war frei. Er flog heraus und schlug mit einer gewaltigen Wucht die Tür auf, sodass sie zerfetzte. Lara hetzte nach, unter dieser Anstrengung konnte das Bein nicht verkrusten. Gleich darauf schoss der rote Drache Feuerkugeln auf Lord Arkanon ab. Er konnte nur schwer ausweichen, weil er auch durch Kurtis in die Mangel genommen wurde. Der schwarze Drache, versuchte ständig, Kurtis zu töten. Durch das Erscheinen von Titon, verlor Urkanon jedoch die Interesse an dem jungen Mann.

Lara konnte ungestört Pfeile abschießen. Nach zwei Versuchen traf sie das gewünschte Ziel: ein Auge des schwarzen Drachens. Vor Schmerz schreiend bekam er nicht mehr mit, was um ihn herum geschah. Titon stürzte sich auf ihn.

Es war grässlich anzusehen, wie die beiden Drachen miteinander kämpften. Titon war im Vorteil, schnell stach er Urkanon das letzte Auge aus. Aus nächster Nähe schoss er einen großen Feuerball auf ihn, das war sein Ende.

Lara schaute auf Arkanon. Er war dabei, einen Fluch auf Kurtis abzufeuern, schnell warf sie das Schwert auf den Lord. Dieser konnte nicht mehr ausweichen, das Schwert traf tödlich. Stark blutend sank er in sich zusammen.

Einige Minuten konnten weder Kurtis noch Lara etwas sagen. Der Schock saß zu tief. Vor sich hatten sie einen toten Drachen und einen erstochenen Magier. Als sie sich beruhigt haben, hörte Lara eine ferne Stimme, sie kam ihr bekannt vor, sie schrak aus dem Schlaf. Vor sich sah sie Bryce.



Kapitel 9



Es war alles nur ein Traum- und doch hatte sie noch Schmerzen im Fuß- wo jetzt keine Wunde mehr war. Sie lag war in ihrem Schlafzimmer mit einem Schlafanzug. Als sie im Schloss war, hatte sie etwas anderes an. Aber sie war sich sicher, es ist geschehen was sie gesehen hatte. Kein Traum konnte einem so real vorkommen.

Und dann kam ihr wieder die ganze Erinnerung hoch. Da waren zwei Männer, Lord Arkanon, den sie getötet hatte und- Kurtis. Sie musste mit ihm sprechen, es gab vieles zu klären.

„Kurtis, komm so schnell wie möglich vorbei, ich muss mit dir sprechen“, sagte sie ihm nervös. „Das hatte ich erwartet. Wieso bist du gestern verschwunden? Egal, das können wir ja nachher bereden.“

In seiner Stimme spürte sie etwas Anspannung, aber Freude konnte sie auch heraushören. Hatte er den Traum auch wirklich mitbekommen? War es nicht nur ein Teil von Laras Traum, hatte Kurtis dasselbe geträumt? Sie konnte es kaum mehr erwarten, eine Antwort auf diese bohrenden Fragen zu bekommen, als es endlich an der Tür klingelte.

Vor dem Butler Hillary rannte sie hinaus zum Tor und da stand Kurtis. „Hallo“, sagte er charmant. Sie grüßte ihn und ließ ihn rein. Er hatte ständig ein Lächeln auf dem Gesicht. Lara konnte sich das erklären. Wenn er den Traum mitbekommen hatte, würde er bestimmt nicht glücklich sein.

Es war ein schöner Junitag. Deshalb setzten sie sich auf die sonnenbeschienene Terrasse. Hillary brachte eiskalte Drinks.

„Hattest du den selben Traum wie ich?“, begann Lara zu fragen. „Nein, ich bin erst in Schloss erschienen, als du bei Titon warst.“ „Wie, erschienen?“ „Ich fand mich plötzlich in diesem Wald. Dann lief ich weiter bis ich zum Schloss von Lord Arkanon kam. Ich teleportierte mich hinein und traf auf diesen Drachen Urkanon.“ „Was bedeutet teleportierten?“ „Wie dir schon aufgefallen ist, bin ich ein Magier. Im Reich der Träume habe ich viel mehr Kräfte als in der normalen Welt.“

Das konnte sich Lara noch halbwegs vorstellen. Im Traum konnte man machen was man will, und ein Magier war bestimmt in der Lage, die Träume so zu verändern, wie er sich es wünscht. Dann fiel es ihr wieder ein. Nachdem sie die drei Männer besiegt hatte, kam sie in eine große Halle, die aussah wie eine Kapelle. Nur war der Unterschied, das kein Kreuz darin war und nach dem Wort „Gott“ suchte man vergebens. Nein, da war von etwas anderes die Rede, von einer „Euris“.

Lara wollte keine lange Reden halten: „Was ist die „Euris“?“ Kurtis schien milde überrascht: „Die Euris ist die Göttin der Magier. Ich glaube an Gott, aber der Euris verdanke ich meine Macht.“ „Du hast mir immer erzählt, das du deine Magie von deinem Vater erlernt hast!“ „Ich kann das ja auch nicht jedem erzählen. Es wird nicht gern gesehen, wenn wir unsere Geheimnisse an Demagis ausplaudern.“ Lara fauchte, daraufhin Kurtis: „OK, ich erzähle es dir.“



Kapitel 10



Lara fiel auf, dass das Kurtis nicht leicht fiel. Allerdings wusste er, das er ihr vertrauen konnte: „Es ist kein Zufall, das ich ein Magier bin. Man kann so etwas nicht erlernen, außer vielleicht kleine Tricks. Vor vielen Jahren wurde mein Urururgroßvater von der Euris zum Magier auserwählt. Diese Fähigkeit vererbt sich meistens. Und jetzt bin ich ein Magier.“ „Sind die Kräfte von Magiern unterschiedlich?“, warf Lara ein. „Natürlich. Arkanon hat es geschafft, sich ein Schloss zu erbauen und Drachen zu züchten. Kaum ein Magier ist zu so etwas in der Lage.“ Lara fragte weiter: „Wieso sind manche schwächer?“ Sie vernahm, wie Kurtis auf seinem Stuhl hin- und herrutschte.

„Das wird von der Euris bestimmt. Natürlich kann ein schwacher Mensch nicht große Kräfte haben, aber meist bekommen solche sowieso nicht diese Kräfte. Egal, ob ein Ahne ein Magier war.“

„Wer ist die Euris?“, Lara wollte mehr wissen. Hillary konnte nicht anders und hörte interessiert zu. „Es gibt sehr wenige, die das genau wissen. Nur den mächtigsten Magiern wird es gestattet, sie zu sehen. Das ist der Zirkel der Euris. Von ihm wird momentan viel verlangt, weil eine neue Böse Macht entstanden ist. Es ist ein Bund, er nennt sich der Bund des Chaos. Jeder Magier wurde aufgefordert, gegen ihn zu kämpfen, weil er plant Katastrophen auszulösen. Wir haben aber einen Vorteil. Wir wissen nämlich, das der Bund nicht viele Mitglieder hat. Jedes Beseitigte schwächt ihn enorm.“, Kurtis seufzte, „Trotzdem wird es nicht leicht. Die Mitglieder sind allesamt gute Magier, perfekt trainiert. Wenn ich auf einen treffen würde, hätte ich kaum Chancen.“

Der Lara ging ein Licht auf: „Wenn wir Titon kämpfen ließen, hätten wir viel bessere Chancen. Arkanon hat sogar gesagt, das er keinen stärken Drachen je gesehen hat. Aber er lebt ja im Reich der Träume“ „Ja, das ist ein Problem.“ „Gibt es denn keine Möglichkeit ihn hier her zu holen?“ Irgendwie war der mächtige Drache Lara ans Herz gewachsen. „Ja, es gibt“, antwortete Kurtis, aber er hörte sich nicht glücklich an, „Im Reich der Träume gibt es ein Portal in die Gegenwart, allerdings liegt es in Morsmordre.“ „Was ist Morsmordre?“, fragte Lara neugierig.

„Der schrecklichste Ort, den ich kenne. Dort gibt es Drachen und Monster. Niemand geht da freiwillig hin. Es saugt einem die Energie aus, ich weiß nicht wie ein Demagi wie du das machen willst“ „In der Begleitung von Titon schaffen wir das schon“, sagte Lara, allerdings wusste sie, wenn Kurtis von einem schrecklichen Ort sprach, dann war das auch einer.

„Hast du eine Ahnung, wie schwer das wird! Wir müssen zur gleichen Zeit im Schloss sein und es ist nicht sicher, das jeder von uns es schafft, sich dort hinzuträumen!“, sagte er aufgebracht. „Wenn nicht dann muss der Erste eben warten. Und wir sollten darauf achten, das wir gleichzeitig einschlafen. Also solltest du bei mir schlafen.“

Es war nicht gerade eine gute Idee, aber Titon wäre gegen den Bund der Chaos eine wichtige Waffe. Am Mittag gingen sie im Pool schwimmen. Kurtis musste sich anstrengen, nicht ständig auf das Dekollete von Lara zu starren. Wenn er das schaffte, beglotzte er die Füße. Lara bemerkte das natürlich, etwas anderes hatte sie auch nicht erwartet. Ihr Blick glitt auch ab und zu über den trainierten Körper von Kurtis.

Danach setzten sie sich an den Rand des Pools. Sie redeten nicht, sondern starrten sich nur in die Augen. Langsam näherte sich Kurtiss Hand Laras Fuß. Sie strich sanft darüber, es war ein schönes Gefühl beiderseits. Sie glitt höher, ihre Lippen näherten sich...

Kurtis war sehr zärtlich zu Lara. Das hätte sie nicht gedacht. Sie schliefen zusammen im Doppelbett von Lara und kuschelten. Es gefiel Lara sehr, aber sie wollte noch nicht weitergehen.

Am nächsten Morgen hörte Lara Kurtis aus dem Schlaf schrecken. ‚Mist’, dachte sie. Sie wusste nicht mehr was sie genau geträumt hatte, jedenfalls ging es da nicht um Titon und um Morsmordre.



Kapitel 11



So ging es die ganze Woche weiter. Sie schafften es nicht, wieder ins Schloss zurückzukommen. Einmal schaffte es Lara nicht, einmal Kurtis nicht und ein andermal schafften es beide nicht. Sie beschlossen, nicht mehr im selben Bett zu schlafen. Nach zwei vergeblichen Versuchen gaben sie auch das auf. Währenddessen hatte der Bund des Chaos zwei Anschläge auf verschiedenste Ziele verübt, viele Menschen wurden dabei getötet. Kurtis erzählte Lara, das die Euris nicht die Macht hatte, Magier die Zauberkraft zu nehmen- niemand konnte das.

Sie brauchten Titon dringend. Da getrennte Betten nichts brachten schliefen sie wieder in einem Bett. Es fiel beiden sehr schwer, voneinander abzulassen, es gab aber keine andere Wahl.

Laras Kopf war voller Gedanken. Ständig hätte sie die Lust, sich auf Kurtis zu werfen, anderseits plackten sie die Gedanken an Morsmordre. Langsam schlief sie ein...

Plötzlich war sie wieder im Wald. Vor sich sah sie einen Mann, der sich auch umblickte, ihre Blicke trafen sich „Kurtis!“, rief Lara und rannte auf ihn zu. Sie wusste nicht mehr, das sie gerade in ihrem Bett gelegen hatte. „Hallo, Lara“, sagte er, „Wir müssen Titon holen und ihn durchs Portal in die Gegenwart bringen. Komm, schnell!“ Kurtis rannte los.

Lara war recht verdutzt, Kurtis sprach von einem Drachen... Dann fiel es ihr wieder ein. Sie war letztens in einem großen Schloss und da traf sie Lord Arkanon, Urkanon und Titon, der rote Drache. Sie hetzte ihm nach. Auf einmal standen sie vor dem Schloss.

Lange brauchten sie, bis sie endlich vor dem Eingang zur Kapellenhalle kamen. Sie schauten sich kurz um und gingen dann weiter. Kurz vor der nächsten Tür hielt Lara: „Kannst du mir meine Pistolen herzaubern?“ Kurtis versuchte es und kurz danach erschienen die beiden in Laras Colts. Dann stießen sie das Tor auf.

Glücklicherweise war niemand in der folgenden Halle und sie rannten schnell weiter bis sie vor dem Eingang vom ehemaligen Gefängnis von Titon standen. Als sie ihn öffneten, überkam sie das Grauen. „Titon ist geflohen als wir Arkanon und Urkanon getötet haben. Wo ist er nur?“, sagte Lara verzweifelt. Dann erinnerte sie sich wieder. Beide waren tot und sie waren schockiert und konnten einige Minuten nicht sprechen und dann- rief Bryce- wer war Bryce?

Sie schreckte aus dem Schlaf. Gleich darauf verstummte sie, weil Kurtis musste im Reich der Träume bleiben und Titon holen. Sie hatte alles vermasselt, Kurtis würde sich jetzt alleine durchschlagen müssen.



Kapitel 12



Die nächsten Stunden machte sich Lara schwere Vorwürfe. Sie hatte zu viele Gedanken, um einschlafen zu können. Als letzten Ausweg nahm sie Schlaftabletten. Langsam sank sie in den Schlaf...

Lara befand sich in einer Straße. Es war aber keine gewöhnliche Straße, um sie herum fand sie mittelalterliche Häuser. Manchmal sah sie zwei leuchtende Augenpaare durch die Fenster und Türen blitzen. Sie hörte leises Flüstern um sich herum. Ihr wurde immer kälter. Dann bekam sie eine Überraschung: Ihre Pistolen steckten in ihren Colts. Sie konnte sich aber nicht so richtig darüber freuen. Die Heldin verlor schnell den Sinn für das freundliche. Alles Glückliche verschwand aus Lara, ihre Augen waren traurig. Sie erschrak, als eine Ratte an ihr vorbei lief.

Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Erinnerungen an Kurtis und an Titon schwanden... Wieso war sie hier? Sie bibberte vor Kälte. Was war geschehen? Sie vernahm seltsame Geräusche. Wo war sie? Plötzlich hörte sie jemanden rufen: „Das ist sie, ein Demagi!“, es war eine kalte, gefühlslose Stimme.

Farben donnerten durch die Straße. Sie verstand nicht, Morsmordre hatte ihr den Verstand genommen, sie brach zusammen.

„Das ist sie, wir haben sie in der schrecklichen Gasse aufgespürt“, sagte die kalte Stimme, „Wie konnte sie nur hierher gelangen? Noch nie hatte es ein Demagi geschafft, nach Morsmordre zu kommen. Ich vermute, sie hat Hilfe von einem Magier bekommen.“ Eine alte, weise Stimme lies einen Seufzer hören: „Das denke ich auch... aber auch trotz Hilfe... wie konnte sie das nur schaffen? Höchst wahrscheinlich hat sie verborgene Kräfte.“ Langsam erwachte Lara. Sie lag auf einer alten zerschlissenen Pritsche in einem kleinen Raum mit schimmelnden Wänden. Die Stimmen drangen von einer alten Holztür.

„Mr. Stevenson, ich überlasse ihnen, was mit ihr geschieht“, sagte die kalte Stimme höflich. „Ich möchte mit ihr reden“, antwortete Stevenson. „Aber...“ „Was soll mir ein Demagi antun? Ich bin sowieso nicht der Meinung, das sie gefährlich ist.“ Die alte Holztür knarrte, der alte Mann trat ein.

„Willkommen in Morsmordre. Ich weiß, das es ihnen hier nicht gefällt, allerdings brauchen sie von mir nichts anderes erwarten. Glücklicherweise wurde dieses Gebäude von schwarzer Magie gereinigt. Das muss jeden Tag gemacht werden, aber die Arbeit ist es wert. Jedenfalls möchte ich mich von dem schwachsinnigen Verhalten von Mr. Wood entschuldigen, er war nie ein großer Freund von Demagis...“, Stevenson seufzte, „aber sie brauchen sich keine Sorgen machen, solange ich hier bin, sind sie in Sicherheit. Sowieso werden sie als Demagi bald wieder aufwachen.“ „Aufwachen?“, fragte Lara. Sie war immer noch nicht ganz bei sich. Stevenson setzte ein Lachen auf: „Lassen wir das Thema. Wieso sind sie hierher gekommen?“, er begriff, das er Lara nicht viel Fragen konnte, „Ich werde sie wieder fit machen“ Er hielt seinen Zeigefinger auf Lara, sie tauchte in ein gelbes Licht, ihre Lebensgeister erwachten wieder. Plötzlich sah sie Stevensons Kopf verschwemmen, Lara wurde von etwas geschüttelt, sie lag auf dem Boden ihres Schlafzimmers. Vor sich sah sie Hillary mit besorgtem Blick.



Kapitel 13



Wie ein gewaltiger Schlag trafen die Erinnerungen Laras Kopf. Schnell richtete sie sich auf. „Was ist passiert?“ „Kurtis ist... ziemlich mitgenommen...“ „Was soll das heißen? Was ist mit Titon???“ „Er ist weggeflogen, die Nachrichten sind voll damit. Die Polizei ist auf Hochtouren; wenn sie ihn abschießen...“ Sie rannte die Treppe hinunter. Im Wohnzimmer lag Kurtis auf dem Sofa. Sein Gesicht war zerkratzt und seinem Bauch und Arme erging es nicht besser. Gerade richtete er den Zeigefinger auf seinen Bauch und ließ mit Zauberkraft die Wunden verheilen. „Oh, hallo...“, sagte er. „Wo ist Titon genau?“ „Ich weiß es nicht genau. Du musst nur in die Nachrichten schauen, da kommt es massenhaft.“ Lara schaltete den Fernseher ein.

Anscheinend gab es den ganzen Tag nur Nachrichten. Auf dem Bildschirm war eine hochnäsige schwarzhaarige Frau zu sehen, die einer Einblendung nach Shawna Duncan hieß.

„Willkommen zu den News“, ließ sie verlauten, „Es ist unglaublich, aber vielen Zeugen und Filmaufnahmen nach fliegt ein roter Drache auf London zu. Wir haben eine Live-Schaltung nach London zu meinem Kollegen Patterson. Hallo Rick“, der Bildschirm teilte sich und dann war auf der linken Seite ein aufgebrachter Mann zu sehen: „Hallo Shawna, es ist wahr, der Drache fliegt direkt auf London zu.“ „Was macht der Drache? Wie viele Häuser hat er schon zerstört?“ „Man kann es kaum glauben, aber anscheinend will der Drache gar niemand angreifen. Jedenfalls gab es noch keinen Schaden“ Shawna sah aus, als wäre Rick verrückt geworden: „Man muss aber trotzdem etwas tun! Ist die Polizei schon im Einsatz?“ „Ja, aber die Waffen machen dem Drachen nichts aus. Man möchte auch keine schweren Geschütze auffahren, weil das Britische Museum große Interesse an ihm hat“

Lara hatte genug gehört und schaltete aus. „Wenn das Britische Museum Interesse hat, wird Titon es trotzdem nicht überleben, weil ein lebender Drache hat in einem Museum nichts zu suchen. Sie wollen nur seine Knochen schützen“, sagte sie mit trauriger Miene, dann setzte sie aber den Ich-habe-einen-Entschluss-gefasst-Blick auf und sagte: „Wir werden sofort fahren. Wenn Titon nicht angreift, dann- sucht er nach uns!“ „Aber...“, setzte Kurtis nach, aber Lara war schon auf den Weg nach draußen. Stöhnend stand er auf und folgte ihr.

Wie der Wind brausten sie nach London. Als sie auf einer Landstraße vor einem Wald angekommen waren, hielt Lara. „Wir sind jetzt in der Nähe von London. Kannst du Funken abschießen?“ Kurtis bejahte. Rote Funken stoben in den Himmel. Sie versuchten es mehrmals, aber es war keine Spur von Titon zu sehen. „Das hat doch alles keinen Wert! Aber- mir ist eine Idee gekommen“, Kurtis zog seinen Stern und murmelte ihm zu: „Flieg zu Titon und bringe ihn zu Laras Villa“ Er warf den Stern in die Höhe und wandte sie Lara zu: „Wir fahren wieder zurück, mein Stern wird Titon zu deiner Villa bringen.“

Schnell fuhren sie wieder heim. Da angekommen, schaltete Kurtis die Nachrichten ein. Wieder hielt die hochnäsige Shawna Duncan die Zuschauer auf dem Laufendem: „Wir haben gerade die Meldung bekommen, das der rote Drache kurz vor der Londoner Innenstadt kehrt gemacht hat. Er fliegt jetzt in Richtung Osten.“

„Das muss heißen, das dein Stern Titon gefunden hat“, sagte Lara zu Kurtis, der zustimmend nickte. Sie hörten noch etwas Shawna zu, bis sie draußen ein Rauschen hörten. Schnell rannten sie hinaus.

Gerade war Titon im Hof gelandet. Tiefe Wunden schnitten in sein Fleisch. Geschickt brachte Kurtis sie zum Verheilen.



Kapitel 14



Sie hatten es geschafft- sie hatten Titon aus dem Reich der Träume geholt. Aber was geschah jetzt? Musste sie jetzt Abschied von ihn nehmen? Titon musste eine Aufgabe erfüllen, er müsste im Kampf gegen den Bund des Chaos helfen, sonst wäre die Magiergemeinschaft in Gefahr.

Mit traurigen Augen blickte sie auf den Drachen. Er wusste, was geschehen würde-

KNALL

Von innen kam ein gewaltiger Schlag. Er klang wie eine Gewehrkugel. Lara zog ihre Waffen und stürmte ins Haus. Geräusche kamen vom Wohnzimmer, sie rannte hinein und- vor ihr stand Mr. Stevenson. Ihn hatte sie im schimmligen Raum in Morsmordre gesehen, als er mit ihr geredet hatte. Kurtis schien auf einen Schlag sehr angespannt: „Oh, welches Vergnügen, Mister Stevenson!“, freundlich schüttelte er ihm die Hand, „Wie geht es ihnen?“ „Sehr gut, danke. Ich muss den roten Drachen abholen und ihn zu der Euris bringen. Und dann noch...“ Er wandte sich Lara zu und lächelte: „Reizende Mrs. Croft, es ist mir eine Ehre, sie einmal außerhalb von Morsmordre zu sehen“ Er küsste sie auf die Hand.

„Ich muss ihnen eine Nachricht von der Euris überbringen. Zu Laras Überraschung zeichnete Stevenson eine Kugel in der Luft. Als er sie vollendet hatte, erstrahlte sie plötzlich an der Stelle, auf der er gezeichnet hatte. Eine sanfte Frauenstimme klang heraus: „Mrs. Lara Croft. Ich bin die Euris. Ich möchte ihnen im Namen aller Magier danken das sie Titon gefunden haben. So viel Mut und Kraft hätte ich niemals von einem Demagi erwartet. Diese kühne Tat wird ihnen belohnt werden, wenn Titon im Kampf gegen den Bund des Chaos erfolgreich ist. Dann nämlich, werde ich sie einladen nach Coloton, die Welt der Zauberer.

Noch kein Demagi zuvor hat es je betreten. Es wird ihnen sehr gefallen. Ich werde ihnen die Transportviolen zukommen lassen, wenn unser Vorhaben gelingt. Diese dürfen sie solange behalten, wie sie wollen. Dann werde ich auch sie und Kurtis bünden.“ Die leuchtende Kugel verschwand mit einem SPLITTER und Lara blieb der Mund offen. Wörter sprudelten einfach aus ihr heraus: „Violen? Coloton? Was ist bünden?“ Bei der letzten Frage setzte Kurtis einen geschmeichelten Blick auf, Stevenson erklärte für ihn: „Bünden ist die höchste Ehrung, die die Euris geben kann. Ach, ich erinnere mich noch genau daran, wie sie mich gebündet und dann in den Zirkel aufgenommen hat“ „Zirkel? Der Zirkel der Euris?“, fragte Lara. Stevenson schwelgte in Erinnerungen: „Ja, der Zirkel kann nur sieben Mitglieder fassen, als Lord Titon gestorben war, bekam ich seinen Platz“ „Lord Titon? Kann ein Drache ein Lord sein? Und Titon lebt ja noch!“ „Ach Kindchen, der rote Drache bekam den Namen von seinem Erschöpfer. Lord Titon war zu seiner Zeit der größte Drachenzüchter aller Zeiten. An dem Tag, an dem er gestorben war, kam der kleine Titon zur Welt, er bekam seinen Namen. Ich bin der Auffassung, das sein Geist durch den Drachen weiterlebt.“ Stevenson fiel wieder ein, wieso er überhaupt hier war. Er wechselte noch ein paar Worte und ging dann hinaus zu Titon. Als sie draußen waren, sagte Kurtis zu Lara:

„Ich werde Stevenson noch ein paar Tage begleiten, dann werde ich zu dir zurückkehren.“ „Pass auf dich auf“ Sie küssten sich leidenschaftlich und Stevenson lachte verschmitzt.

Sie winkte ihnen nach, als die beiden , auf dem Rücken von Titon sitzend, davonflogen. Eine einsame Träne kullerte ihre Wange herunter.



Kapitel 15



Die nächsten Tage waren sehr hart für Lara. Sie bekam keine Nachricht von Kurtis, das machte ihr Sorgen. Sie lud sogar Natalie ein. Wenn sie das tat, stand es immer sehr schlecht um Lara. „Also Lara, ich muss dir wirklich sagen du beunruhigst mich“, sagte sie, während sie mit einem blauen Lid-Schatten vor ihr herumfuchtelte.

Natalie war vielleicht geschwätzig und das Wort „Ruhe“ kannte sie nicht, aber Lara musste zugeben, das sie Geheimnisse anderer immer für sich behielt. Und sie konnte ihre Sorgen nicht ständig mit sich herumschleppen.

„Du warst ja vor ein paar Wochen bei mir“, begann sie, „und da habe ich dir ja von den seltsamen Träumen erzählt“ Natalie überlegte: „Ja, ich weiß... aber du bist nicht näher darauf eingegangen“ „Ich dachte, du hältst mich dann für verrückt“ Das war schlichtweg gelogen, sie war an diesem Tag nicht in der Stimmung, um über so etwas zu reden und schon gar nicht mit Natalie. Aber sie wollte keine Diskussion anfangen.

„Aber jetzt brauche ich jemanden zum reden.“ Und so erzählte sie ihr die ganze Geschichte. Als sie etwa in der Mitte war, dachte sie das der Mund von Natalie nicht mehr weiter herunterklappen konnte, da täuschte sie sich aber. „Drachen? Zauberer?“, sprudelte es aus ihr heraus. Lara nahm ihr das nicht übel, so eine Geschichte auf einen Schlag zu hören, war nicht gerade leicht zu verdauen.

„Und du wirst in die Zaubererwelt eingeladen? Mit Violen? Ich verstehe nicht...“ wirr sah sie sich um und machte dabei das Gesicht einer Übergeschnappten. Lara überlegte auch, Stevenson hatte ihr nicht alle Fragen beantwortet, doch dann sagte sie: „Wir müssen erst einmal abwarten, ob Titon erfolgreich ist.“

Plötzlich tat es einen ohrenbetäubenden KNALL und Natalie stieß einen spitzen Schrei aus. Stevenson war vor ihnen erschienen. Er hatte ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Zwei Sekunden später machte es erneut einen KNALL und Kurtis erschien neben ihm. Natalie schien einem Kreislaufkollaps nahe.

„Oh, Entschuldigung“, sagte Stevenson, „Ich hoffe wir haben sie nicht erschreckt“ Sie schien wieder ihre arrogante Fassung wiedergewonnen zu haben: „Nein, sie haben mich gar nicht erschreckt, ich bekomme ja ständig solche Schwächeanfälle, nicht war Lara?“, raunzte sie in seine Richtung. Mit einem geschickten Schlenker seines Fingers zauberte er ein Glas Wasser hervor, das mit einer Zitrone drapiert war und überreichte es Natalie. Sie war verblüfft.

„Wir sind aber nicht wegen Erschrecken gekommen. Ich möchte ihnen im Namen der Euris diese zwei Violen überreichen.“ Er zog aus seinem Umhang zwei Glasstangen heraus, die auf beiden Enden Metallgriffe hatten. Sie war mit einem merkwürdigem, dichtem, rotem Gas gefüllt. „Sie müssen die beiden Violen zusammenführen, dann werden sie in Xinten erscheinen. Wenn sie wollen, könne sie sie auf eine andere Stadt umstellen lassen.“, erklärte er. Er sagte noch, das andere Demagis keine Befugnis zu Coloton hatten, also durfte sie beispielsweise Natalie nicht mitnehmen.

Lara verabschiedete sich von Natalie und Stevenson sagte: „Ich gehe als erstes“ Er zog seine Violen, die mit blau gefüllt waren und tat sie zusammen, er war verschwunden. Gleichzeitig führten Kurtis und Lara ihre Violen zusammen- Laras Körper wurde herumgerissen, ihr Haus war schlagartig verschwunden, seltsame Töne und Farben schossen an ihr vorbei.



Kapitel 16



Auf einen Schlag war alles wieder vorbei. Plötzlich stand sie auf einem steingepflastertem Boden. Kurtis stand neben ihr, Stevenson war ein paar Meter weiter erschienen. „Willkommen in Xinten, Lara. Dieser Ort wurde hauptsächlich wegen des Erscheinens gebaut. Es wäre zu umständlich, wenn in Truro ständig Leute erscheinen würden. Wenn ein Mensch in einem anderen erscheint, wird das ziemlich ungemütlich. Das Magierministerium hätte nichts anderes zu tun gehabt, als Trennungen durchzuführen“, Kurtis fuhr zusammen, als Stevenson die letzten Worte ausgesprochen hatte. Lara wusste zwar nicht genau, was eine „Trennung“ war, aber sie würde bestimmt nicht angenehm sein.

„Was ist Truro?“, fragte sie. Stevenson machte ein verdutztes Gesicht, dann schien ihm aber wieder eingefallen zu sein, das die schöne Engländerin keine Magierin war: „Es ist die größte Zaubererstadt. In Coloton gibt es viele Ländereien, deshalb haben wir nicht so viele große Städte wie ihr. Darüber bin ich auch froh.“

Sie schlenderten durch Xinten, auf dem Weg zum Bahnhof. Damit taten sich Kurtis und Stevenson etwas schwer, sie waren das Teleportieren gewöhnt. Xinten war ein kleines Städtchen mit ein paar Läden. Von weitem sah sie ein paar aneinandergereihte Häuser, die ziemlich seltsam aussahen. Auf dem Weg erklärte Stevenson Lara den Unterschied zwischen „Teleportieren“ und „Erscheinen“: „Teleportieren ist eine schnelle Fortbewegung in einer Welt, während Erscheinen bedeutet, von einer Welt zu einer anderen zu gelangen.“

Stevenson war ein netter in die Jahre gekommener Mann. In seinen Haaren konnte man, wenn man genau hinsah, neben den übermäßigen grauen noch ein paar braune erkennen. Er hatte viel Sinn für Humor. Lara war sich aber sicher, das er sehr intelligent war. Wenn er Mitglied im Zirkel der Euris war, musste er ein großer Magier sein.

Die Magier waren ein seltsames Volk. Lara kam sich vor, wie in einer Mischung aus Alt und Neu. Der Bahnhof zum Beispiel war hochmodern eingerichtet, während alte Dampfloks an ihm vorbeifuhren. Die Menschen trugen eine sehr ausgefallene Mode. Auch ihre Haare hatten teils einen seltsamen Look. Kurz vor dem Bahnhof schritt eine ältere Frau an Lara vorbei. Sie hatte zwei Meter hohes, lockiges Haar, kein Haarspray hätte das geschafft.

Die Warteplätze waren nicht wie bei den Demagis unbequeme Sitze, nein, an ihrer Stelle fand Lara viele kuschelige Sessel. Es war ein kalter Tag, aber als sie sich setzte, durchströmte Wärme ihren Körper. Hier schien einfach alles verhext. Sie blickte auf die hochmoderne Uhr über ihr. Sie zeigte 13:16 an, der Zug würde um 13:20 kommen. Jetzt fiel es ihr ein: Sie hatten keine Fahrkarten. „Kurtis, wir haben keine Fahrkarten! Es sind nur noch vier Minuten!“ Einige Leute im Umkreis blickten sich interessiert nach Lara um. Kurtis lachte: „Lara, wie schätzt du denn uns Magier ein? Wir brauchen doch keine Fahrkarten. Die Züge werden mit Euris-Serum betrieben. Das gibt es massenhaft.“ Er erklärte ihr, das Euris-Serum die überschüssige Macht der Euris war. Da die Euris sehr mächtig war, gab es davon genug. Stevenson gab noch hinzu, das man in Coloton schon genug zahlen musste, da wäre es eine Frechheit, wenn auch noch Zuggebühren hinzukommen würden.

Lara müsste sicher noch viel lernen, bis sie sich in Coloton zurechtfinden würde. Peinlich berührt blickte sie auf die hochmoderne Uhr: 13:49 und 53 Sekunden. Sie hätte schwören können, das genau sieben Sekunden danach der Zug ankam.



Kapitel 17



Voller innerer Anspannung stieg Lara in den Zug. In Truro würde sie bestimmt viele Dinge sehen. Gleich im Zug angelangt, ging es weiter mit den Überraschungen. Obwohl er von außen sehr alt und schmutzig wirkte, war er innen blitzblank. Sie gingen auf einen Vierer-Abteil zu. Nach einem grellen Pfiff setzte sich der Zug in Bewegung. „Wie lange fahren wir?“ „Wie ich ihnen schon erzählt habe, haben wir in Coloton große Ländereien. Also ist die Strecke zwischen den Orten ziemlich groß. Teleportieren ist ein Muss, die Kinder lernen es schon recht früh. Ah, die Bedienung! Was hättet ihr gerne?“ Eine pummelige Frau war mit einem kippeligen Karren bei ihrem Abteil angekommen.

Auf dem Karren lagen seltsame Dinge: Eine metallene Büchse, aus der knallende Geräusche kamen; ein Kuchen, der ständig die Farben wechseln; eine Flasche mit Getränk, in der die Kohlensäure von oben nach unten sprudelte; eine Packung mit kleinen Fläschchen darin, auf ihm stand: „der Wonderdrink, mit allen Geschmacksrichtungen, von Erdbeere bis Popel, alles ist dabei!“

Dieser Wonderdrink interessierte Lara sehr. Zwar war die Vorstellung, ein Getränk mit Popelgeschmack zu trinken, nicht gerade schön, aber es war bis zum Ende spannend. Sie hatte Glück: Minze, Hagebutte und Cola. Kurtis zahlte, weil die Frau keine Menschenwährung annahm. „Wo kann ich hier mein Geld wechseln?“ Stevenson überlegte: „Mit so etwas habe ich keine Erfahrung. Wie ich schon gesagt habe, bist du eine der paar Demagi, die nach Coloton durften. Oder wie war das noch mit Agneta MacTavish?“ „Sie haben doch gesagt, ich wäre der erste Demagi“, entgegnete Lara verdutzt „Oh, ja. Aber es ist so selten, das es mir nicht nennenswert erschien. Agneta war die letzte und das liegt schon 30Jahre zurück. Aber mit dem Geldumtauschen sollten sie Mr. Walker fragen, er arbeitet in der Demagi Abteilung, soviel ich weiß erwartet er uns am Bahnhof von Truro.“

Der Zug kam quietschend zu Halt. Mit einem gespannten Gefühl im Bauch stieg Lara mit den beiden aus. Sie fand sich in einer riesigen Halle wieder. Die Locks stießen einen beißenden Rauch aus, also gingen sie schnell ein Stock höher. Hier waren einige seltsame Läden. Selbst die Imbissbuden hatten einige Merkwürdige Speisen zur Auswahl. Zum Beispiel gab es Würstchen, die bei jedem Biss nachwuchsen; oder als Nachspeise knisternde Kekse („Erleben sie ein Feuerwerk in ihrem Mund!“). Diese beiden Sachen suchte sich Lara aus, während Kurtis sich einen Teller mit Klöße, die dem Besteck auswichen, wenn man mit ihm ihnen nahe kam. Stevenson kaufte sich zwei Würste, die beim Zubeißen knackten wie Gewehrschüsse.

Gerade als sie fertig gegessen hatten, kam ein lächelnder Mann auf sie zu. „Willkommen in der Welt der Magier Mrs. Croft, es ist mir eine Ehre, eine Demagi hier zu begrüßen. Mein Name ist Tony Walker, ich bin der Chef der Abteilung für Demagis.“ Lara schüttelte seine Hand. Er war anscheinend ganz aus dem Häuschen, in Coloton einen Demagi zu treffen.

Schwatzend geleitete er sie nach draußen, Kurtis und Stevenson im Schlepptau. „Das hier ist die Einkaufsmeile von Truro, die Shadwell Street.“ Es war eine sehr breite Straße, an der sich Läden anreihten. Lara blickte bis ans Ende- sie konnte es aber einfach nicht sehen, die Straße schien unglaublich lang.

Tausende von Magier lungerten nach Schnäppchen. Interessiert ging Lara mit den anderen dreien auf den ersten Laden in ihrer Nähe zu „Noctavia- die besten Eulen der Welt“ Da noch viele Läden vor ihnen lagen, beschlossen sie, nicht hineinzugehen. Lara brauchte auch keine Eule.



Kapitel 18



Während Tony Lara beschwatzte und ihr Ratschläge gab, staunte sie über die Magierwaren, die sie sich nicht im Traum vorgestellt hätte. Selbstkochende Töpfe; Schreibfedern, die man nur aufs Blatt stellen musste und vieles mehr.

Die Federn interessierten Lara sehr. „Ah, die Stiletta Schreibfeder! Sie hat verschiedene Schreibarten. Einmal das normale Schreiben, dann das Diktat Schreiben und dann das Automatische Schreiben. Probieren sie mal!“ Er gab Lara eine giftgrüne Feder und sagte, sie solle sie auf das Test-Blatt stellen.

Die Feder blieb senkrecht auf dem Papier stehen. „Was soll ich jetzt machen?“, fragte sie. Lara erschrak heftig, als die Feder auf dem Blatt zu schreiben begann: ‚Die charmante Mrs. Croft war sehr überrascht, als ihre neue Stiletta Schreibfeder ihr Worte in ausgefallene Sätze verwandelt.’ „Erstaunlich nicht? Aber das ist noch nicht alles! Diese Feder ist gerade auf den Diktier Modus eingestellt. Wenn sie an ihr drehen, können sie ihn verändern. Stellen wir ihn einmal auf Automatisch.“ Tony drehte an ihr und stellte sie auf das Papier.

Wie verrückt begann sie darauf zu schreiben: ‚Was für eine interessante Szene in Coloton! Der weise Mr. Stevenson, der heldenhafte Kurtis Trent und der Ministeriums Arbeiter Mr. Walker erklären der gerade angekommenen Demagi Mrs. Croft die Funktionen ihrer neuen Stiletta.’ Und sie sauste weiter. Sie beschrieb den ganzen Laden und die Anreise von Lara. Bald war das ganze Test-Blatt mit der schwungvollen Schrift vollgekritzelt.

„Die nehme ich!“, sagte Lara. Schreiben war nie ein Hobby von Lara, so eine Feder kam wie gerufen für sie. „24 Rubine bitte“, sagte die dürre Verkäuferin. Kurtis holte einen ledrigen Beutel aus seiner Tasche und holte 24 braun schimmernde Steine heraus und gab es der dürren Verkäuferin.

„Ist das euer Zahlungsmittel?“, fragte Lara, als sie den Laden verlassen hatten. „Ja“, antwortete Tony, „Wir haben nur die Rubine. Ein Rubin entspricht 50 Cent. Also hat dann die Feder...“ Er überlegte, Lara kam ihm zuvor: „12 € gekostet“

In den darauffolgenden 4 Stunden kauften sie so viel ein, bis Laras Tasche voll und Kurtis Geldbeutel leer war. Er schlug vor, zur Bank zu gehen. Bald standen sie vor einem großem, quadratischem Gebäude, das laut dem großen Schild über dem Eingang „sparender Rubin“ hieß. Innen waren drei Schalter, an dem jeweils eine Frau saß. Kurtis ging zum ersten: „Hallo, ich würde gerne 300 Rubine von meinem Konto abheben“ Die Frau fragte nach dem Namen, er nannte ihn. Die Frau wandte sich einem hässlichen grauen Gerät zu, der komische Geräusche von sich gab. Sie hielt Kurtiss Lederbeutel unter ihn und die 300 Rubine klimperten hinein. Kurtis fragte noch nach dem Kontostand. Die Frau holte einen fetten Ordner hervor und zeigte mit dem Finger darauf: „Kurtis Trent“ Der fette Ordner flog auf und blätterte fast bis zu der letzten Seite, sie las ab: „11.216 Rubine“ Kurtis war erstaunt. Als er sich wieder beruhigt hatte, hob er weitere 500 ab.

„Wie kann das nur sein? Vor kurzem hatte ich vielleicht noch 2.000 drauf“ Stevenson schmunzelte: „Du vergisst Titon. Ihr werdet nicht nur gebündet, sondern ihr bekommt auch Geld. Jeweils 10.000 Rubine, soviel ich weiß. Lara muss nur noch ein Konto anlegen.“

Kurtis und Lara nahmen sich eine kleine Suite im „Gala-Hotel“, ein nobles Hotel mit nettem Personal. Kurtis teilte Lara den Anlass mit, wieso sie nicht zurück nach Hause erschienen: „Lara, bald findet die Weltmeisterschaft des magischen Roulettes statt, das musst du sehen.“ Er erklärte Lara, das hier die besten Magier gegeneinander antreten und das dieses magische Roulettes ungefähr wie ein Duell war. Sie wollte das auch sehen und so willigte sie ein.

Was Stevenson gesagt hatte, stimmte: Lara legte ein Konto auf dem sparenden Rubin an und gleich danach hatte sie die 10.000 Rubine auf dem Konto.

Am 21.August machten sie sich um 9 Uhr zum Stadion von Truro auf, dort sollte die Weltmeisterschaft des magischen Roulettes stattfinden.



Kapitel 19



Ihr Weg führte nach außerhalb von Truro, dort sollte laut Kurtis das Stadion sein.

Kurtis ging jedes Jahr zum Finale hin. Dort traten die 10 besten Magier gegeneinander an. Auf dem Weg trafen sie Tony Walker. „Oh hallo! Ich werde ihnen versichern, Lara, das sie ein Spektakel der Superlative sehen werden“ Hinter Tony waren drei kleinere Kinder und eine mollige, brünette Frau. „Wer ist diese Frau, Papi?“, fragte eines der Kinder. „Das ist Lara Croft, Tammy. Sie ist eine Demagi, aber sie hat uns vor den Bund des Chaos gerettet. Darf ich vorstellen Lara? Das ist meine Familie. Das hier ist meine Frau Shelley.“

Shelley schien auch sehr aufgeschlossen gegenüber Demagis zu sein, sie begrüßte sie herzlich: „Willkommen in Coloton. Ich und mein Mann waren immer der Meinung, man sollte aufgeschlossener gegenüber den Demagis sein.“, sie wandte sich ihren Kindern zu, „Das hier sind meine Kinder Anna, Tammy und Lenny.“

Sie unterhalteten sich noch eine Weile, dann kamen sie vor dem Stadion an. Es war riesig, Lara schätzte es etwa gleich groß wie ein Fußballstadion. Tausende von Magier strömten herein. Lara und Kurtis hatten einen vorderen Platz bekommen, genauso wie die Walkers. Plötzlich erschien Stevenson mit einem anderen alten Zauberer vor ihnen. Sie setzten sich neben ihnen. „Hallo. Ich und Jonathan haben uns Zeit genommen, einmal diese Weltmeisterschaft anzuschauen. Es wird bestimmt interessant, dieses Jahr haben sie wirklich exzellente Finalisten.

„Wieso nehmen sie nicht teil, Mr. Stevenson?“, fragte Lara. „Ach wissen Sie, ich habe schon ein paar mal mitgemacht und ich habe sehr gut abgeschnitten (Kurtis flüsterte Lara ins Ohr: „Er hat immer gewonnen“), aber irgendwann ist das mir zu viel geworden. Es sind nämlich schon Magier dabei gestorben“ „Jetzt sind aber die tödlichen Flüche verboten“, hackte Tony nach. „Das war nicht das Hauptproblem. Es gibt immer noch ‚Croculos’, ‚Bracheilon’ und wie sie alle heißen. Mit diesen Zaubern kann man Menschen unglaubliche Schmerzen zufügen. Ich möchte das nicht mehr machen. Dazu bin ich auch zu alt.“

Bald hatte jeder der Zuschauer einen Platz gefunden und langsam kehrte Ruhe ein. Plötzlich begann von einem Mikrofon aus jemand zu sprechen: „Willkommen zur 762. Weltmeisterschaft des magischen Roulettes, ich bin Nick Singh“ Er wies die 10 Champions ein und die erste Runde begann. Die Regeln kamen des russischen Roulettes nahe: Die Kandidaten gingen sich dem Rücken zugekehrt 10 Schritte voneinander weg, dann drehten sie sich so schnell sie konnten um und schossen einen Fluch ab. Wer danach umfiel oder freiwillig aufgab, schied aus.

Manche Kämpfe dauerten mehrere Runden lang. Am Ende waren jedoch nur noch Smith, Patel, Mc Carthy, Lomu und O’Reilly übrig. Patel und Lomu waren für Lara die Finalisten. Mit eindrucksvollen Geschick machten sie ihre Gegner kampfunfähig, Stevenson bestätigte dies.

Der alte Magier neben Stevenson war sehr ruhig. Er wechselte nur selten ein paar Worte mit Stevenson, ansonsten beobachtete er nur angespannt das Feld. Er machte ein besorgtes Gesicht, irgendetwas schien ihm an der Sache nicht zu gefallen.

Laras und Stevensons Vermutung stimmte, nach weiteren harten Kämpfen standen schließlich Patel und Lomu im Finale. Das Stadion wurde totenstill, alle blickten gebannt auf die beiden. Der gutgelaunte Nick Singh wies die beiden ein. Eins ... Zwei ... Drei ... Vier ... Fünf ... Sechs ... Sieben ... Acht ...



Kapitel 20



Die Leute schienen die Luft anzuhalten. Was würden die beiden für Zauber nehmen? Was würde geschehen? Wer würde gewinnen? Neun ... Patel und Lomu machten angespannte Gesichter. Die Blicke aller Zuschauer stachen ihnen in die Rücken. Zehn ...

Es passierte so schnell, man konnte die Umdrehung nicht mehr erkennen, „ ‚Bracheilo’ donnerte Patel, Lomu hatte ein Lachen auf dem Gesicht, er schrie: ‚Hellus Crusus’.

Plötzlich begannen einige zu schreien, ohne Mühe wich Lomu Patels Fluch aus. Er hielt etwas in der Hand, das er gleich danach in die Richtung seines Gegners warf. Es war ein schwarzes umgedrehtes Kreuz das brannte. Blitzschnell sauste es in die Richtung Patels, ein schmerzerfülltes Schreien war zu hören. Das Kreuz durchdrang seinen Körper, es mussten grauenvolle Schmerze sein, der alte Magier neben Stevenson erhob sich, sofort schickte er einen Fluch auf Lomu, Patel war tot.

Das ganze Stadion brach in einen unglaublichen Tumult aus. Die ganze Spannung entlud sich auf einen Schlag und schwoll sofort an. Auf einmal erschienen schwarzgekleidete Magier neben Lomu. Er hielt seinen Finger in die Lüfte, er rief ‚Crusus Unis’ dasselbe brennende Kreuz brach hervor, drei Sechsen zogen Kreise um das Kreuz. Seine Größe schwoll an und es blieb über dem Stadion hängen. „Komm Lara, wir verschwinden“, sagte Kurtis, sein Gesicht war gänzlich weiß. Hier geschah etwas schreckliches.

Kurtis war nicht der Einzige, der diesen Gedanken gefasst hatte. Fast alle Zuschauer drängten sich aus dem Stadion, Stevenson und ein paar andere Magier kämpften gegen die Schar der schwarzgekleideten Männer. Lara zog ihre Pistolen und schoss auf sie. Kurtis packte sie am Arm und zog sie weg. Nach zehn endlosen Minuten hatten sie endlich das Stadion verlassen. Auf den Gesichtern der anderen Menschen spiegelte sich die reine Ungläubigkeit und Ratlosigkeit. Es war einfach unvorstellbar, was gerade geschehen war und das in einer Zeitspanne von einer Viertelstunde.

„Was ist hier los?“, drängte Lara Kurtis. Er ging noch weiter vom Schauplatz weg. Er versuchte, es ihr zu erklären: „Er hat das Höllenkreuz gezaubert. Damit hat er Patel getötet ... und dann ... und dann ...“ „Was?“ „Hat er das Zeichen der Unis gezaubert ... Sie ist auferstanden“ Lara wollte nicht weiter fragen. Kurtis war mehr als Schockiert. Sie schaute sich um, Stevenson war neben ihr erschienen. Er machte ein besorgtes Gesicht: „Oh Lara, ich kann es nicht glauben ... Wenn das wahr ist, wenn die Unis auferstanden ist. Die Unis ist die Schwester der Euris, aber bei weitem nicht so stark wie sie. Bitte verzeih mir, ich kann die jetzt nicht viel erklären.“ „Wo sind die schwarzen Männer?“ „Die Höllenbrüder? Sie sind verschwunden, einen haben wir aber erwischt. Ich bezweifle aber, das er uns noch viel sagen kann“



Kapitel 21



Den Rest des Tages war Kurtis immer noch nicht ganz ansprechbar, genauso wie die meisten anderen Magier. Lara fühlte sich fehl am Platz. Sie nahm ihren Rucksack, packte sich etwas Trinken und die Violen ein und sagte Kurtis, sie mache einen Spaziergang.

In Gedanken versunken schlenderte sie die Shadwell Street entlang, in der das Gala-Hotel lag. Die Gewissheit, das es außer den normalen Menschen auch noch Magier gab, machte Lara selbst nach einer Woche noch zu schaffen. Und diese Magier flüchteten jetzt vor einer Unis, die die Schwester der Euris sein sollte. Sie dachte wieder an Lomu und an die anderen Höllenbrüder, die Anhänger der Unis. Sie schienen perfekt trainierte Magier zu sein, das hatte Lomu bewiesen. Ihr gefiel es nicht mehr hier. Die Magier hatten genug zu tun, sie sollten sich jetzt nicht auch noch um eine Demagi kümmern. Sie packte ihre Violen aus, und war kurz davor, sie zu verbinden, als eine männliche Stimme hinter ihr ertönte:

„Mrs. Croft, wieso wollen sie wieder zurück in ihre Welt? Denken sie, sie fallen uns zur Last?“ Lara drehte sich um und erblickte den alten Magier, der mit Stevenson zum Spiel gekommen war. Sie errötete leicht: „Ja, ich denke, es ist an der Zeit, wieder zu gehen. Wenn ihr die Unis besiegt habt, komme ich wieder“ „Es ist ihre Entscheidung zu gehen, aber lassen sie mir die Geschichte erzählen. Wollen wir in ein Café gehen?“

Wenn sie ehrlich war, brannte sie vor Interesse, die Geschichte der Unis zu hören und willigte ein. Sie gingen ins „Troubadour Café“ und bestellten zwei Capuccinos. Das Café war auch ungewöhnlich leer. Ein paar Tische weiter saßen drei Magier, die in gedämpften Ton miteinander sprachen. „Sie wahren gestern sehr still. Hatten sie einen Verdacht?“, fragte Lara.

„Das haben sie richtig erkannt“, antwortete der alte Zauberer, „Ich habe ein paar Hinweise bekommen. Aber ich muss mich erst vorstellen, ich heiße Jonathan Broadwood.“ Eine Frau brachte ihren Capuccino. Broadwood gab ihr 11 Rubine und verneinte, als Lara ihren Lederbeutel herausholte.

Er erzählte weiter: „Ich hatte Lomu in Verdacht. In den vergangenen Kämpfen fiel er mir mehrmals auf, weil er schwarze Magie angewandt hat. Ich habe mich aber herausgehalten, weil ich mir nicht sicher war. Ich musste sehr auf ihn achten. Entschuldigen sie bitte, wenn ich nichts gesagt habe.

Es ist schon 20 Jahre her, seitdem die Unis geherrscht hatte. Die Leute wurden mit der Zeit unvorsichtig und es ist auch verständlich. Es war eine schreckenvolle Zeit mit unglaublichen Verlusten. Ich weiß noch, wie ich durch die Straßen gegangen bin, überall lagen Tote.“, angeekelt schüttelte er den Kopf. Lara stellte sich vor, wie sie durch eine Londoner Straße ging und überall lägen ermordete Menschen.

„Es war eine schwere Zeit, vor allem für das Magierministerium und für den Zirkel der Euris“ „Die Euris könnte doch gegen die Unis kämpfen? Wie ich gehört habe, ist sie sehr stark...“, sagte Lara. „Ja, die Euris ist sehr stark, aber sie kann sich keinen Kampf erlauben. Sie zu töten, ist praktisch unmöglich, aber selbst eine kleine Verletzung würde Coloton und das Reich der Träume durcheinanderbringen. Sie hat es nämlich erschaffen.“ „Ist die Unis genauso stark wie die Euris?“, fragte Lara wissbegierig weiter. „Nein, es beste-“ draußen knallte es ohrenbetäubend. Die beiden begriffen sofort, Broadwood wandte sich schnell an Lara: „Gehen sie! Schnell!“

Er rannte hinaus mit einer Geschwindigkeit, die für einen alten Mann nicht üblich war. Die anderen drei Magier, die im Café waren, waren verschwunden. Lara verband ihre Violen.



Kapitel 22



Und wieder wurde Lara in den Strom aus Farben hineingerissen. Kälte und Hitze flog an ihr vorbei, sie wurde herumgeschleudert- Plötzlich stand sie wieder in ihrer Wohnung. Bryce, der gerade fernsah, bekam fast einen Herzinfarkt. „Lara!“, sagte Bryce, er stand auf und verschüttete seine Cola über seine Hose. „Ach mist, wie geht’s dir? Was ist passiert? Du warst so lange weg!“ Er bemerkte Laras besorgtes Gesicht.

„Was ist?“ Stammelnd erzählte sie ihm die Geschichte.

Es war für ihn noch unglaublicher als für Lara, wenn das überhaupt noch möglich war. Die Tatsache, das es eine Magierwelt gab, stieß bei Bryce an die Grenzen die Vorstellungskraft, als Lara ihm auch noch die Einzelheiten erzählte, warf es ihn total aus der Bahn. Wenn Lara in so einer Stimmung war, erzählte sie keine Lügengeschichten. Es könnte auch sein, das Lara übergeschnappt sei, aber fast nichts auf der Welt konnte Lara den Verstand rauben. Er brabbelte unverständliche Worte. Lara wusste, das es jetzt an der Zeit war, den Mund zu halten.

Sie suchte nach Hillary und fand ihn in der Vorratskammer. „Oh Lara! Du bist wieder da!“

Er war zwar etwas überrumpelt, aber er konnte noch vernünftig reden: „Was glaubst du, was das für Folgen haben wird?“ Lara erinnerte sich noch verschwommen. Als sie etwa sieben Jahre alt war, kam in den Nachrichten manchmal die Meldung, öffentliche Einrichtungen seien zerstört worden. Viele Menschen wurden in dieser Zeit getötet, man fand aber nie die Mörder. Das war die erste Zeit der Unis, Broadwood hatte ihr erzählt, es war vor 20 Jahren gewesen, alles passte perfekt.

Die nächste Woche war grausam für Lara. Sie sah Coloton und vor allem ihren Kurtis nicht. Jeden Tag bohrte sich die Ungewissheit in ihren Kopf: Was ist geschehen? Geht es Kurtis gut? Wurden weitere Magier getötet? Gab es bereits Anschläge in der Demagi-Welt?

Um ein paar dieser Fragen zu beantworten, musste sie jeden Abend die hochnäsige Shawna Duncan ertragen, wie sie eine halbe Stunde lang die Nachrichten machte. Außer diesen Nachrichten gab es noch drei andere, allerdings war Bryce ein Fan von ihr und „News 6:00“ war einfach die informativste Nachrichtensendung, die das Britische Fernsehen zu bieten hatte.

Wegen ihrer Langeweile machte sie eine Verzweiflungstat: Sie lud Natalie ein. „Ich wollte sowieso kommen, die ganze Woche brannte ich vor Neugierde, was du alles erlebt hast“ Das konnte sich Lara lebhaft vorstellen. Hillary hatte ihr erzählt, das Natalie jeden Tag angerufen hat und nach ihr gefragt habe.

Mit ihren künstlichen Fingernägeln machte sie sich an Laras Gesicht zu schaffen. „Heute nicht“, sagte Lara, sie hasste es, wenn man seine Stimmung überschminkt. Nach einigem Gezeter gab Natalie auf, sie ging mit Lara in den Garten.

Auch Natalie erzählte sie die Geschichte. „Was willst du jetzt machen? Willst du so lange warten, bis der Kampf zu Ende ist?“ „Ich muss es wohl“, entgegnete Lara, „garantieren kann ich aber für nichts. Wenn ich noch lange keine Antwort mehr bekomme, lasse ich mich nicht mehr aufhalten. Es wird sowieso ein Kampf auf uns zukommen, egal ob ich hier oder in Coloton bin“



THE END

 

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